Akademie für Freiheitstraining

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Interview mit Reto

(Auszug)

Wie kommst Du auf Delfine, wenn es um Pferde geht?

Delfine kann man nicht anbinden, um mit ihnen zu arbeiten, man muss sie für sich gewinnen. Mit Pferden ist diese Arbeitsweise auch möglich und sie haben es lieber so! Der Lernfortschritt ist viel schneller als ich je erhofft habe. Und es macht beiden Spass.

Was ist anders als bei den üblichen Methoden?

Bei Pferden wird noch fast ausschliesslich mit mechanischen Hilfsmitteln und negativer Verstärkung gearbeitet, statt die Persönlichkeit des Pferdes und dessen Willen einzubeziehen. (…)

Was ist negative Verstärkung?

Bei negativer Verstärkung wird etwas Unangenehmes (oder gar Schmerzhaftes) auf das Tier ausgeübt und sofort entfernt, wenn das gewünschte Verhalten auftritt.

Bei sog. positiver Verstärkung wird das Tier im Gegensatz dazu sofort belohnt, wenn das gewünschte Verhalten auftritt. (Quelle Wikipedia)

Aber ist denn Belohnen nicht normal?

Doch, mittlerweile praktisch bei allen Tierausbildungen, aber unverständlicherweise kaum bei Pferden! Belohnen als primäres Hilfsmittel ist bei Pferden noch oft verpönt. Bei Pferden wird weitgehend mit mechanischen Hilfsmitteln,  teilweise auch mit grob resp. falsch benutzter Trense/Peitsche, Angst machen und anderen Druckmitteln gearbeitet. (…)

Wie belohnt man ein Pferd?

Nicht nur mit Goodies (schmunzelt)! Man kann beispielsweise dem Pferd Ruhe geben, es streicheln, mit ihm kurz sein Lieblingsspiel spielen oder eben Goodies.

Die wichtigste Belohnung ist, dass man ihm Sicherheit gibt, einen ruhigen Moment der Geborgenheit.

Wie muss man sich Delfintraining konkret vorstellen?

Schon wenn man das Pferd aus der Box nimmt, übergeht man eigentlich dessen Willen. Hopphopp, Halfter anziehen, anbinden, satteln, zäumen und los geht’s. Der Wille des Pferdes bleibt schon da auf der Strecke.

Im Delfintraining beginnt man bei einem neuen Pferd, indem man in eine Reithalle oder auf einen abgesperrten Platz geht und das Pferd freilässt. Dann gilt es einen Weg zu ihm zu finden. Wie kann ich das Pferd interessieren, motivieren zu dem, was ich möchte? Wie kann ich sein Leader werden?

Gibt man da nicht einfach ein Goodie?

Nein, die Natur der Pferde bringt es mit sich, dass der Stärkste zuerst frisst und da wäre der Mensch dann blöd dran. Leadership und Sicherheit geben, dass ist der Schlüssel zum Erfolg. Übrigens: Kein Tier frisst, wenn es Angst hat. Auch in dieser Situation hilft es nicht.

Aber gibt es bei deiner Methode nie Druck?

Die Frage habe ich erwartet (lacht). Doch, gibt es, aber so selten wie möglich. Wir arbeiten mit einem exakten Kommunikationsablauf. Innerhalb des Ablaufes kann Nachdruck nötig sein, aber am Ende jeder ausgeführten Aufgabe steht eine positive Belohnung der oben beschriebenen Art.

Schauen Sie, Pferde verwenden untereinander auch Nachdruck. Sie zeigen dem Schwächeren mit verschiedenen Warnungen, geh weg. Wenn er es ignoriert, kommen deutlichere Zeichen, und dann scheppert's. Das ist normales Pferdeverhalten. An der Stop-Strasse im Verkehr bestimme eindeutig ich, wenn nötig mit Nachdruck. Auch zur Erarbeitung von Respekt und Leadership ist gewisser Nachdruck nötig.

Hmm… aber besteht nicht die Gefahr einer reinen Streichelkultur?

Doch, das ist eine gewisse Gefahr, aber nicht nur bei Delfintraining. Bei fehlender Leadership wird das Pferd unsicher oder dominant und es kann richtig gefährlich werden. Das Pferd ist 500kg schwer und ein Muskelpaket. Das Pferd muss Respekt vor dem Menschen haben.

Was unterscheidet Delfintraining von Freiheitsdressur?

Freiheitsdressur hat andere Ziele. Bei Freiheitsdressur geht es hauptsächlich um Bodenarbeit und circensische Lektionen. Würde man da zu viel Druck machen, hätte man sowieso verloren.

Delfintraining hat zum Ziel, eine sichere und harmonische Zusammenarbeit in allen Lebenslagen, auch beim Ausreiten, zu erreichen, ein Team zu schmieden. Zirkuslektionen sind reizvolle Übungen, aber nicht das primäre Ziel.

Willst du ein bisschen die Pferdeausbildung revolutionieren?

Ja, ein Stück weit schon (lacht). Mein Ziel ist es, ein Umdenken auf vorwiegend positive Verstärkung und Belohnung zu bewirken. Hunde schlägt man schon lange nicht mehr. (…)

Ich möchte erreichen, dass Pferd und Mensch sich besser verstehen und beide das Zusammensein als Team geniessen können.

Es ist ein unendlich schönes Gefühl, wenn du spürst, dass das Pferd bei dir Ruhe und Sicherheit sucht und wenn es dir in schwierigen Situationen voll vertraut oder wenn es sogar versucht, zu gefallen, indem es dir von sich aus Kunststücke anbietet, welche es gelernt hat.

Wo kann man die Delfin-Methode lernen?

Es gibt bei www.delfin-horsetraining.ch einen Demotag und es gibt Kurse, bei welchen man sich online in die Theorie einarbeiten kann und anschliessend von einem unserer Trainer mit dem Pferd gecoacht wird. 

Was muss jemand tun, der das möchte?

Sich auf unserer Homepage www.delfin-horsetraining.ch umsehen und dann auf Anmeldung klicken. Dort findet man eine Übersicht der verfügbaren Kurse und einen kostenlosen Demokurs.

Vielen Dank!

Gern geschehen!