Delfin-Horsenight 17.10.20

«Wir zeigen Dinge, die man noch nie gesehen hat.» Dies war ein Satz, den ich immer wieder in den Posts und Werbeanzeigen zur Delfin-Horsenight in Koblenz las. Entsprechend gespannt war ich auf die Veranstaltung – wie viel Überraschung aber wirklich noch auf mich zukommen würde, erfuhr ich erst einen Tag vor dem Event…

Die Delfin-Horse-Trainerin Chantal Karrer rief mich am Freitagmorgen an und fragte mich, ob ich nicht vielleicht mein Pferd Surprise mitbringen könnte. Es sei spontan ein «Fremdpferd» ausgefallen, mit dem man die ersten Schritte im Delfin-Horse-Training zeigen wollte. Ich stimmte zu und fuhr – zunehmend nervöser – mit meinem Pferd im Gepäck nach Koblenz.

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Nach einem feinen Chili con Carne, zubereitet von der Familie Eschbach (Eschbach Horsemanship), den Besitzern der Anlage in Koblenz, ging das kommentierte Training um Punkt 19 Uhr los und Surprise war gleich das erste Pferd, welches vor das zahlreich erschienene und sehr interessierte Publikum durfte. Ich war etwas nervös. Würde er so reagieren, wie erwartet? Er hatte noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Doch es stellte sich schnell heraus, dass ich nicht die einzig Nervöse war und bald war aufgrund der angespannten Stimmung um ihn herum, auch mein Pferd etwas geladen. Nichtsdestotrotz beruhigte er sich gut während den kurzen Trainingseinheiten, in denen es um die Desensibilisierung ging.

Dazwischen wurde immer mal wieder gezeigt, wie die Delfin-Horse-Trainer selbst mit ihren Pferden arbeiteten und was sie gerade am üben waren. Marianne Luginbühl zeigte, wie man sein Pferd «connecten» kann, so dass ihr Pferd Winnetou sie als ihren Leader oder Herdenführer akzeptiert. Ist dieser Zustand mal erreicht, sind die Pferde viel gewillter mit einem zu arbeiten. Natürlich war dieser Zustand beim gut trainierten Winnetou schnell erreicht, doch würde auch Surprise die Trainerin Mirjam Dunkel als Leader akzeptieren? Alle waren gespannt, als Surprise nun zum dritten Mal in die Halle kam und zuerst einmal auf alles andere als auf Mirjam konzentriert war. Sie schickte ihn auf einer grossen Volte um sich herum und gab ihm immer wieder die Chance anzuhalten und zu ihr zu gehen. Jedes Mal, wenn Surprise anhielt, hielt das Publikum den Atem an. Würde er ihr folgen? Nach anfänglichem Kopfdrehen, das mit dem Lob von Mirjam bereits als Schritt in die richtige Richtung anerkannt wurde, dauerte es nicht lange und Surprise lief zu ihr und spazierte ihr vertrauensvoll durch die ganze Halle hinterher. Die gefährlichen Dinge in der Ecke waren vergessen und mit mir war das ganze Publikum tief beeindruckt von Mirjams Arbeit mit den Pferden.

Chantal hingegen mit Blue führte vor, was man mit einem gut desensibilisierten Pferd alles machen kann. Blue wurde in eine Blache eingepackt, es wurden Ballons neben ihm zerstochen und ein Gartenschlauch wurde zwischen seinen Beinen durchgezogen. Am Schluss ritt Chantal ohne Sattel und Zaum mit Blue im Trab in der Halle herum, die riesige Blache hinter sich herziehend. Bei all dem machte Blue keinen falschen Schritt – was zeigt, wie gut man dem Fluchttier Pferd die Angst vor gefährlichen Dingen nehmen kann!

Die Zeit bis zur Pause verging wie im Flug. Danach wurden die Zuschauer von der Pferdeosteopathin Léa Gauthier zurückbegrüsst. Sie erklärte, warum es von der biomechanischen Seite her absolut Sinn macht, Pferde frei zu trainieren. Um dies dem Publikum zu veranschaulichen, wurde der Araber Psyki eindrucksvoll angemalt, so dass das Skelett und die Muskelpartien sichtbar waren.

Kurz darauf kam Uschi Gloor mit ihrem weissen Spanier Icaro in die Halle. Sie zeigte, wie man auch ein Pferd mit einer schwierigen Vergangenheit für sich gewinnen kann und harmonisch mit ihm zusammenarbeiten kann. Icaro spurtete temperamentvoll in der Halle umher, war aber mit seiner Konzentration ganz bei Uschi und galoppierte aufs Wort «hier» auch immer sofort zu seiner Besitzerin.

 Durch die ganze Show führt souverän der Chef des Delfin-Horse-Trainings, Reto Gfeller. Neben seinen fachkundigen Kommentaren durfte natürlich sein Auftritt mit den drei Pferden Blue, Missi und Nevado nicht fehlen. Besonders der dreissigjährige Nevado, der sich erstmal genüsslich im Sand wälzte und danach locker im Galopp mit seinen jüngeren Showkollegen mithalten konnte, beeindruckte mich. Reto zeigte, wie wichtig die Sprache im Training mit den Pferden ist. Seine drei Pferde kennen ihre Namen genau und so kann er sie alle einzeln lenken und jeder kann auf Retos Kommando etwas anderes machen, unabhängig davon, was seine Herdenmitglieder tun. Zum Schluss zeigte er mit Blue und Missi, was es bedeutet, ein Pferd wirklich desensibilisiert zu haben. Weder Motorsäge noch Kinderwagen, Regenschirm, Desinfektionsmassnahmen, ferngesteuerte Autos oder gar ein riesiger, roter Skywalker, der direkt neben den Pferden aufgeblasen wurde, brachte diese aus der Ruhe. Mit solchen Pferden steht dem gemütlichen Sonntagsausritt nichts im Weg! Zum Schluss betonte Reto nochmals, dass das Freiheitstraining etwas für jedes Pferd sei. Mit viel Geduld, ruhiger und konsequenter Arbeit und viel Freude und Lob kann jedes Pferd Zirkuskunststücke lernen oder gelassen neben einer Motorsäge vorbeilaufen. Wie? All das verkündete der rote Skywalker: Auf www.delfin-horsetraining.ch sind alle Informationen zum System, den Coaches und den Kursen zu finden – viel Spass auf dem «new way to team with horses»!

Bericht von Céline Humair

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